Gott ist ein Abenteurer

Ich erinnere mich noch, als ich 14 Jahre alt war. Ich bin in Barbados aufgewachsen. In der Schule mussten wir eine Wahl treffen. Welche zweite Fremdsprache wollten wir lernen? Französisch, Spanisch oder Deutsch? Zwei Mädchen wählten Deutsch … und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, warum. Deutsch??!

Doch das Leben ist voller Überraschungen. Wer weiß schon, was kommen wird. Wenn man mir damals gesagt hätte, dass ich eines Tages einen Deutschen heiraten, in Deutschland leben und hauptsächlich auch dort arbeiten und sogar Deutsch sprechen würde - ich hätte gesagt: Du bist ja verrückt! Inzwischen habe ich genug gelernt, um zu wissen, dass Gottes gute Absichten für uns weit über das hinausgehen, was wir erwarten. Gott ist ein Abenteurer.

Meine Eltern kommen von Barbados. In den 50-er und 60-er Jahren lebten sie in England. Dort wurden auch mein Bruder und ich geboren. In den frühen 70-er Jahren tauschte unsere Familie die kalte und smogverseuchte Luft Londons mit der warmen, frischen Brise der Karibik. Dort wurde ich mir allmählich meiner selbst bewusst: Unseres bescheidenes Zuhause, meine hart arbeitende und liebevolle Mutter. Ich fühlte mich besonders. War anders. Ich ritt zur Schule, ging zur Kirche. Und Gott. Da war etwas mit Gott.

Ich fühlte, dass es einen Gott geben musste … da draußen … irgendwo. Besonders Sonntags. Meine Mutter bügelte am Abend vorher immer mein Kleid, das dann am Sonntag morgen auf mich wartete, zusammen mit den sauberen Schuhen, der kleinen Handtasche, dem steif gebügelten Taschentuch und meinem eigenen Gesang- und Liturgiebuch.

 

Meine ältesten Erinnerungen an die Kirche sind vage. Ich kann mich irgendwie an das Gefühl erinnern, neben meiner Mutter und meinem Bruder auf einer riesig hohen Kirchenbank zu sitzen, während meine Füße den Boden nicht berührten. Ich erinnere mich an den Ablauf des Gottesdienstes, an meine Mutter, die mir schnell eine kalte Münze in die Hand drückte, wenn das Opferkörbchen an uns vorbei kam. Ich erinnere mich an die Sonntagsschule und das Abendlied, die feierlichen Gottesdienste an Weihnachten und Ostern, die Schönheit der Lobgesänge: Te Deum Laudamus - Dich, Gott, loben wir! Die Erfurcht, die in den Gebeten steckte. Ich erinnere mich, wie ich irgendwie dachte, etwas an dieser ganzen Sache ist einfach richtig.

 

Vielleicht war es etwas von dem Geheimnisvollen, das mich anzog, ein Teil davon sein zu wollen. Ich schloss mich dem Kirchenchor an, als ich 8 Jahre alt war. Das eröffnete für mich die kirchliche Gemeinde in einer ganz neuen Weise. Ich konnte näher an den Altar herankommen. Ich konnte die hinteren Räume sehen, wenn wir probten. Ich hatte Gelegenheit, die Gewänder und Roben der Priester und Ministranten und Ministrantinnen zu sehen. Ich sah, wo die Kerzen, die Kelche und der Abendmahlswein aufgehoben wurden. Wir sangen Hymnen und lernten Wechselgesänge. Der Küster ließ mich sogar die Kirchenglocken läuten. Für mich war es einfach eine Ehre, dass es mir erlaubt war, meinen Teil zum Gottesdienst beizutragen.

Als ich im nächsten Jahr eingesegnet wurde, spürte ich, dass sich etwas Wichtiges vollzog. Meine deutlichesten Erinnerungen gehen dahin, dass es ein ganz besonderer Sonntag war. Wie ungefähr 20 andere hatte auch ich ein außergewöhnliches, weißes Kleid an - und vor allem: endlich konnte ich meine Neugierde befriedigen und die komisch aussehende Oblate probieren, die Brot genannt wurde, und den Wein trinken!

Obwohl ich es nicht ganz genau ausmachen konnte, kann ich doch heute zurückblicken und sehen, wie Gottes Hand damals auf mir war. Ich kann sehen, wie er mir in seiner sanften Art Halt gab und mich all die Jahre führte, bis ich ungefähr 16 oder 17 Jahre alt war. Zu dieser Zeit fing ich an, ernsthaft über die Kirche und alles, was ich dort erlebt hatte, nachzudenken. Nachdem ich nun jahrelang zur Kirche gegangen war, Hymnen gesungen, Jugendtreffen und endlose andere kirchlichen Aktivitäten besucht hatte, kam ich endlich an einen Punkt der Entscheidung. Wenn in dem, was ich jeden Sonntag feierte, auch nur ein Fünkchen Wahrheit und Bedeutung lag, und wenn Jesus tatsächlich sich selbst für mich gegeben hatte, dann, so fühlte ich, wollte ich mit diesem Gott leben. Da gab es so viel, das ich nicht verstand. Aber ich war hungrig. Ich wollte mehr wissen.

So kniete ich mich ohne viel drum herum in meinem Schlafzimmer auf den Boden und bat Gott, ein Teil meines Lebens zu sein. Kein Blitz, kein Donner. Dennoch sind die Auswirkungen anhaltend und unübersehbar. Ich fing an, die Bibel zu lesen. Ich fing an, wirklich zu beten. Alles gewann für mich so viel an Bedeutung. Es kam mir vor, als hätte ich eine echte Verbindung zum Leben. Es war, als hätte meine Seele geschlafen, aber nun war sie lebendig geworden. Ich habe mich damals buchstäblich in Gott verliebt. Es war genau zu der Zeit, dass ich anfing, Lieder zu schreiben und zu singen. Von meinen ersten Lieder waren die meisten Liebeslieder an Jesus. Ich habe gesungen und geschrieben, gesungen und geschrieben. Ich kann es auf keine andere Weise beschreiben als dass ich einfach schreiben und singen musste.

Bis heute kann ich den einen in mir nicht leugnen, der mich zum Schreiben und Singen antreibt. Meine Entscheidung, als ich 16 oder 17 Jahre alt war, Gott zu dienen, war die Initialzündung für eine ganze Reihe von Konsequenzen für mein Leben. Es erschreckt mich, darüber nachzudenken, wie viel ich hätte verpassen können, wenn ich nicht die Freiheit etwas zu wagen und zu träumen gehabt hätte - in dem Wissen, dass ich in den Händen des großen Gottes gehalten bin. Ich erinnere mich, wie ich einige Sommer auf Freizeiten in Florida verbrachte. Hier bin ich im Glauben wirklich gewachsen. Und in meinem Vertrauen. Zum ersten Mal sang ich meine eigenen Lieder vor einer Menschengruppe. Sie applaudierten wild (und gnädig) zu meinen zögerlichen Bemühungen. Es war die Ermutigung, dass ich weitermachen sollte! Mit 19 verließ ich dann den sicheren Hafen der Universität in Barbados und machte mich auf zu einer unbekannten und ungewissen Zukunft in England.

Es stellte sich als der richtige Schritt heraus. Während der nächsten acht Jahre schloss ich meine Studien in Psychologie ab und machte nebenher mit der Musik weiter. Ich fühlte mich wieder getrieben, Lieder zu schreiben. In dieser Zeit gaben mir die kirchliche Unterstützung, gewisse Beziehungen und die Großzügigkeit eines Freundes die Gelegenheit, meine erste Aufnahme zu machen. Danach nahm ich eine Einladung an, in Deutschland zu singen - nur ich mit meiner Gitarre. Zuerst dachte ich, es wäre ein nettes, kleines Abenteuer. Aber das Abenteuer ging weiter. Die Einladungen zu Konzerten und Aufnahmen häuften sich. So führten uns die nächsten Jahre wiederholt in jedes Bundesland (bis auf das Saarland) und darüber hinaus in Länder wie Österreich, die Schweiz, USA, Polen, Slowenien, Finnland, Rumänien, Südafrika, wie auch zurück nach England, Wales und in die Karibik. In dieser Zeit fand ich meinen Mann. Irgendwo, mitten in all diesen Reisen und dem Singen trat er ganz einfach in mein Leben. Und nachdem wir geheiratet hatten, bin ich wieder zur Schule zurückgegangen und habe Deutsch gelernt.

Wer weiß schon, was passieren wird? Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal in meiner jetzigen Situation befinden würde. Die Dinge hätten so sehr anders laufen können. Für mich besteht kein Zweifel daran, dass alles nun so ist, wie es ist, weil ich mein Leben in dem einen Sommer, der nun schon Jahre her ist, in Gottes Hände gelegt habe. Wenn ich zurückblicke, bin ich unendlich dankbar. Unbedingt! Und wenn ich nach vorne schaue, auf die Dinge, die kommen werden, bin ich voller Hoffnung, Aufregung und froher Erwartung. Weil ich weiß: Gott ist ein Abenteurer.

Judy Bailey




Mon, 18-12-2017

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